Im November jähren sich die dramatischen Ereignisse in der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 zum 86. Mal. In jener Nacht wurden im nationalsozialistischen Deutschland gezielte Gewaltaktionen gegen die jüdische Bevölkerung ausgeübt – so auch in Witten. Dies war der Beginn der systematischen Verfolgung und Vernichtung des europäischen Judentums und gleichzeitiger Auftakt zum Holocaust.
Die Stadt Witten, das Kulturforum Witten, insbesondere das Ruhr-Gymnasium und das Stadtarchiv, der Freundeskreis der Israelfahrer e. V. und die Deutsch-Israelische Gesellschaft, AG Witten, laden daher zum öffentlichen Gedenken ein: am Samstag, 9. November 2024, ab 18 Uhr, am Ort der ehemaligen Wittener Synagoge, Synagogenstraße / Ecke Breite Straße.
Damit verbinden die Veranstalter den Aufruf, jeder Form von Antisemitismus, Rassismus und der Stigmatisierung von Minderheiten entgegenzutreten. Hass, Hetze und Menschenfeindlichkeit dürfen keinen Platz in unserer Stadt finden.
Die Novemberpogrome 1938
In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 überfielen Anhänger des nationalsozialistischen Unrechtsregimes jüdische Bürger und Bürgerinnen in ihren Wohnungen, demolierten das Mobiliar, plünderten ihre noch verbliebenen Geschäfte und zerstörten jüdische Friedhöfe. Überall im Deutschen Reich steckten Nazibanden mehr als 1.400 Synagogen und Gebetsräume in Brand. Sie verschleppten etwa 30.000 jüdische Männer in Konzentrationslager, Hunderte wurden ermordet, in den Suizid getrieben oder starben infolge der Haftbedingungen. Die Pogrome 1938, die unter den Augen einer stillschweigenden Mehrheit der Zivilgesellschaft durchgeführt wurden, waren ein schreckliches Fanal im Verlauf der deutschen Geschichte, die in die Katastrophe, die sogenannte Shoah führten.
Dies geschah auch in Witten
Während Wittener Juden in der Pogromnacht in Haft genommen und meist über das Polizeigefängnis Bochum in das Konzentrationslager Sachsenhausen verschleppt wurden, setzten Nationalsozialisten die 1885 erbaute Wittener Synagoge in Brand. Am Morgen des 10. November 1938 waren die Kuppel und der Innenbereich des jüdischen Gotteshauses komplett ausgebrannt. Die Feuerwehr war lediglich auf den Schutz umliegender Häuser und des benachbarten Gymnasiums bedacht. Diese Gewaltakte führten zur fast vollständigen Auslöschung jüdischen Lebens und der Wittener Synagogengemeinde.
Zum Programm
Nach der Begrüßung durch den Bürgermeister der Stadt Witten, Lars König, folgen Redebeiträge von Schülerinnen des Ruhr-Gymnasiums und des Schulleiters. Im Anschluss wird ein Gedenkkranz in Erinnerung an die von Nationalsozialisten in Brand gesetzte Wittener Synagoge und an die dramatischen Folgen für die jüdische Gemeinde niedergelegt. Die Veranstaltung wird musikalisch von David Sogoan (Violine) begleitet.
Sperrung der Synagogenstraße am 9. November
Während der Gedenkveranstaltung wird die Synagogenstraße in der Zeit von 17:30 Uhr bis 18:45 Uhr gesperrt sein. Die Veranstalter bitten hierfür um Verständnis.
Bildnachweis: Die am 9. November 1938 zerstörte Wittener Synagoge (rechts) neben dem heutigen Ruhr-Gymnasium um 1911, Foto: Ernst Roepke, Repro: J. Fruck, Quelle: Stadtarchiv Witten
Quelle: Stadt Witten